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Ein Wohnwintergarten erweitert den Wohnraum und kann ganzjährig nach Belieben genutzt werden. Doch bevor der Hauseigentümer sich diesen Traum erfüllen kann, muss er ihn sorgfältig planen und zahlreiche Voraussetzungen erfüllen. Zudem ist der Bau eines Wintergartens mit hohen Kosten verbunden, sodass er überwiegend finanziert werden muss. Die Kosten können Hauseigentümer jedoch durch Zuschüsse und Förderungen senken.
Was ist ein Wohnwintergarten?
Ein Wohnwintergarten ist eine heizbare und naturnahe Erweiterung des Wohnraumes. Deshalb kann der auch als Warmwintergarten bezeichnete lichtdurchflutete Raum ganzjährig genutzt werden. Auch in der kalten Jahreszeit bietet er durch die großzügigen Fensterflächen die Möglichkeit, der Natur nahe zu sein. Wind, Kälte und Feuchtigkeit bleiben draußen.
In seiner Eigenschaft als Wohnraumerweiterung eignet sich der Warmwintergarten zudem als Arbeitszimmer, als naturnaher Raum zum Spielen für die Kinder oder als Trainingsraum für sportliche Aktivitäten. Statt auf einer Terrasse zu essen, auf der Insekten sich der Speisen und Getränke bemächtigen, speisen Sie entspannt im Wohnwintergarten und blicken dennoch in den Garten und die nahe Natur.
Der Wohnwintergarten bietet vielfältige Möglichkeiten der Nutzung. Er kann sich – eingerichtet mit gemütlichen Möbeln – in einen Rückzugsort zum Lesen und Entspannen verwandeln. Die Voraussetzungen sind gut, sich dabei mit exotischen Pflanzen zu umgeben, die das Gefühl vermitteln, im Urlaub zu sein.
Abgrenzung: Wohnwintergarten vs. Kaltwintergarten
Der hauptsächliche Unterschied zwischen einem Wohnwintergarten und einem Kaltwintergarten ist die Temperatur im Inneren. Bei einem Wohnwintergarten beträgt diese ganzjährig mindestens 19 Grad Celsius. Die Temperaturen erreichen Sie in den kalten Monaten durch eine vollintegrierte Heizung. In einem Kaltwintergarten sinkt die Innentemperatur, wenn es draußen kalt wird, denn er hat keine Heizung, eventuell jedoch einen Frostwächter.
Dagegen erhitzt sich der Kaltwintergarten im Sommer auf unerträgliche Wärmegrade. Dies geschieht, weil ein Kaltwintergarten schlecht isoliert ist und er lediglich eine Einfach- bis Zweifachverglasung besitzt. Der Warmwintergarten ist mit einer Dreifachverglasung besser isoliert. Zudem ist er so abgedichtet, dass er weder Luft noch Wind oder Schlagregen ins Innere lässt.
Die Entscheidung für einen Wohnwintergarten oder Kaltwintergarten hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Möchten Sie den Wintergarten das ganze Jahr nutzen, ist der Wohnwintergarten die richtige Wahl. Einen Kaltwintergarten können Sie aufgrund der Kälte in seinem Inneren nur 180 bis 220 Tage im Jahr nutzen. In den übrigen Monaten dient er lediglich zur Überwinterung von Pflanzen.
Voraussetzungen für einen Wohnwintergarten
Bevor Sie einen Wohnwintergarten bauen, sollten Sie zunächst prüfen, ob Sie eine Baugenehmigung benötigen. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie eine solche im Gegensatz zum Kaltwintergarten für einen Wohnwintergarten benötigen. Entscheidend sind die Anbindung an den Wohnraum, die Absicht, ihn ganzjährig zu nutzen, und dass eine Heizung dies möglich macht. Zudem überschreitet ein Wohnwintergarten gewöhnlich das genehmigungsfreie Volumen.
Eine weitere Voraussetzung für den Bau eines Wohnwintergartens ist, dass dessen Äußeres zum Haus und zum örtlichen Bebauungsplan passt. Zahlreiche Gemeinden legen fest, welche Arten von Gebäuden, welche Höhen und welche Flächenverhältnisse erlaubt sind. Zudem müssen Mindestabstände zu den Nachbargrundstücken eingehalten werden.
Zusätzliche Bestimmungen sind einzuhalten, wenn der Wintergarten in einem denkmalgeschützten Bereich gebaut werden soll oder wenn ein Naturschutzgebiet in der Nähe ist.
Zudem muss der Wohnwintergarten verschiedenen technischen Anforderungen entsprechen. Wichtig ist die Statik, denn die Konstruktion des Wintergartens muss Wind- und Schneelasten sicher tragen.
Über die energetische Qualität des Wintergartens bestimmt das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Die Bauteile eines Wohnwintergartens müssen so beschaffen sein, dass die Luftdichtheit und der Wärmeschutz ausreichen. Die Bestimmungen sind automatisch dann erfüllt, wenn die Fläche des Wintergartens fünfzig Quadratmeter unterschreitet.
Zudem muss dazu die Beheizung über das bestehende Heizsystem erfolgen und kein neuer Heizkessel erforderlich sein. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, gelten die Neubaustandards. Möchten Sie die Bestimmungen im GEG nachlesen, sind die Begriffe Glasdach und Vorhangfassade relevant. Für das GEG ist ein Wohnwintergarten eine „Vorhangfassade mit Glasdach“. Zudem müssen Sie die Richtwerte für die Türen und Fenster beachten.
Kosten eines Wohnwintergartens
Die Kosten eines Wohnwintergartens hängen von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind zunächst die Größe des Wintergartens sowie die individuelle Ausführung und dessen Dachform. Auch das Material –Kunststoff, Holz, Stahl, Aluminium oder Edelstahl – beeinflusst die Höhe der Gesamtkosten für einen Wohnwintergarten.
Wünschen Sie Sonderausstattungen wie automatische Steuerungen, eine Lüftung oder einen Wärme- und Sonnenschutz, nehmen diese Einfluss auf die Höhe der Gesamtkosten. Bei Ihrer Kalkulation sollten Sie die Planungs- und Genehmigungskosten von 15 bis 20 % der Gesamtkosten einrechnen sowie die voraussichtlichen Kosten für das Fundament, für Bodenarbeiten und für die Montage.
Weitere Belastungen kommen für die Ausstattung des Wohnwintergartens hinzu. Dazu gehören der Estrich, der Bodenbelag sowie Sonnen- und Einbruchschutzlösungen. Zudem erhöhen die Anschaffung und der Einbau von Lüftung und Heizung sowie die laufenden Aufwendungen für die Energie die Kosten für den Wohnwintergarten.
Die Kosten für einen Wohnwintergarten sind beträchtlich. Abhängig von der Größe und Ausstattung können diese einige tausend bis 50.000 EUR und mehr betragen.
Fördermöglichkeiten und Finanzierung
Für den Bau eines Wohnwintergartens können Sie staatliche Förderungen und lokale Zuschüsse beantragen. Prüfen Sie jedoch zuvor die Fördervoraussetzungen und ziehen Sie gegebenenfalls einen Energieberater hinzu. Die Förderungen und Zuschüsse haben zum Ziel, den Bau nachhaltiger und energieeffizienter Wohnraumerweiterungen zu unterstützen. Sie sind häufig an Energieeffizienzstandards geknüpft.
Eine Förderung können sie beispielsweise vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten. Zudem fördern einige Bundesländer mit eigenen Förderprogrammen und Voraussetzungen den Bau eines Wohnwintergartens.
Bauen Sie ihren Wintergarten, um Energie einzusparen, können Sie bis zu zwanzig Prozent der Aufwendungen, aber höchstens 40.000 EUR, von der Steuer absetzen. Geregelt ist dies im § 35c des Einkommensteuergesetzes.
Häufige Fehler bei Planung und Bau
Soll der Bau des Wohnwintergartens erfolgreich sein, starten Sie die Planung, indem Sie sich zunächst über die Nutzung des Wintergartens Gedanken machen. Wollen Sie ihn mit Pflanzen bestücken oder als Rückzugsort zum Lesen und Musikhören gestalten oder soll er als zweites Spielzimmer für Ihre Kinder dienen? Zudem können Sie jeden Tag inmitten der Natur ihre Mahlzeiten einnehmen, wenn Sie den Wintergarten in ein Esszimmer verwandeln.
Ferner ist die Ausrichtung von Bedeutung. Ein nach Süden ausgerichteter Wohnwintergarten ist hell und warm. Steht er dagegen im Norden, können Sie kühlere Temperaturen in seinem Inneren erwarten. Weiterhin ist es wichtig, dass er zur Architektur des Hauses passt. Dies hat den Vorteil, dass er den Wert der Immobilie erhöht.
Möchten Sie Ihren Wintergarten lange Zeit nutzen, seien Sie sorgsam bei Ihrer Materialwahl. Materialien minderer Qualität verkürzen die Lebensdauer Ihres Wohnwintergartens. Besonderen Wert sollten sie auf hochwertiges Isolierglas legen, damit Energie nicht verloren geht und die gewünschten Temperaturen erreicht werden. Beim Rahmen sollten Sie auf Aluminium und Holz setzen, da beide den Einflüssen der Witterung standhalten.
Achten Sie zudem darauf, dass Sie Ihren Wohnwintergarten gut belüften können. Planen Sie für eine gute Luftzirkulation Fenster oder andere Öffnungen ein.
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